Den Job zu kündigen und das tun, worauf man Lust hat…

…fühlt sich im ersten Moment weniger heldenhaft an, als es vielleicht tatsächlich ist. Es fühlt sich beängstigend und einschüchternd an, da man seinen gewohnten Alltag, sein festes Gehalt und weitere Sicherheiten aufgibt. Ich hatte regelmäßig Panikmomente in denen ich mich ernsthaft fragte, was in mich geschehen ist nachdem ich die Kündigung verfasst und abgeschickt hatte. Einen guten Job, eine sichere Perspektive und ein geregeltes Leben aufgeben – geht’s noch? Und tatsächlich – es geht noch und das Leben nimmt seinen Lauf. Wichtig ist nur, dass man die Gewichtigkeit der Entscheidung und den drastischen Einschnitt in das eigene Leben und auch in die Gefühlswelt berücksichtigt. Ich musste mir eingestehen, dass es keineswegs einfach oder cool ist, sein Leben komplett umzukrämpeln und der Festanstellung den Rücken zu kehren. Es gehört eine Menge Mut und Selbsterkenntnis dazu. Denn eine lebensverändernde Entscheidung möchte überlegt und im besten Falle lohnenswert sein. Denn immerhin verlassen wir unsere Komfortzone und können uns von Routine vorerst verabschieden – und dafür möchte man letztendlich belohnt werden. Man möchte glücklicher sein, als zuvor und den Sinn des eigenen Lebens erkennen und diesem nachkommen. Glück kann sich dabei in verschiedenen Dingen wiederspiegeln und ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Im Wesentlichen bedeutet es doch, sich selbst und seinen eigenen Wünschen näherzukommen, sich im „Reinen“ und ausbalanciert zu fühlen, sich den Dingen mit positiver Energie zu widmen und keinen Groll gegen sich selbst zu hegen. Man möchte mit einem Lächeln morgens aufstehen können, sowie mit positiven Gedanken den Tag abschließen. Das erlangt man, meiner Meinung nach, nur, indem man auf seine innere Stimme und seine eigenen Wünsche hört. „Was möchte ich eigentlich tun?“, „Wo möchte ich leben?“ oder „Was macht mich glücklich?“. Oftmals machen wir dabei die Wünsche anderer zu unseren eigenen, da es einfach ist einer Masse oder bestimmten Stereotypen zu folgen. Dazu gehören zum Beispiel Statussymbole, wie ein angesehener Job, ein teures Auto oder der Pool im Garten. Die Erfüllung dieser Wünsche bringt jedoch oftmals nur kurzfristige Befriedigung und schnell merken wir, dass wir uns selbst weder näher gekommen noch zufriedener sind.

Um uns selbst näherzukommen, bedarf es weitaus mehr als Geld und oberflächlicher Entscheidungen. Die größte Aufgabe besteht doch darin, die innere Stimme zuzulassen und ihr aufmerksam zu lauschen. Wenn wir dann eine Ahnung haben, was uns eigentlich antreibt und freut im Leben, kann es an die Umsetzung gehen. Mit Umsetzung meine ich nicht, dass sofort gekündigt werden muss oder andere einschneidende Veränderungen vorgenommen werden müssen. Es geht um jede winzige Anpassung, die wir uns für unser Leben vornehmen. Sei es die Stunde Zeit in der Woche, die wir uns für ein neues (oder altes) Hobby nehmen oder sei es ein wöchentliches Essen mit Freunden, welches wir fest bestimmen wollen. Mit diesen kleinen und auch größeren Schritten kommen wir den Dingen näher, die uns tatsächlich wichtig sind und machen uns selbst ein wenig mehr zu dem Menschen, der wir sein wollen. Dabei handelt es sich um einen sich stets ändernden Prozess, da sich unsere Erfahrungen und Lebensumstände natürlich auch in unseren Wünschen und Werten wiederspiegeln und diese ändern. Daher kann eine Freundschaft, ein Hobby oder ein Job uns einmal erfüllt haben, jedoch einige Zeit später nicht mehr den eigenen Wünschen genügen. Daher ist es wichtig, sich selbst zuzuhören, um zu wissen was einen tatsächlich erfreut und letztendlich glücklich macht.

Dieser inneren Stimme zu lauschen, stellt dabei den schwierigsten Part dar, da wir uns gern beeinflussen und durch bequeme Lösungen täuschen lassen.

Ich hatte beispielsweise schon viele Jahre den Wunsch der Selbstständigkeit und wusste, dass mein damaliger Job nicht meiner Passion entspricht. Jedoch wusste ich auf der anderen Seite auch nicht, was es eigentlich ist, das meiner Passion entspricht. Darüber hinaus bin ich ein sehr sicherheitsbedachter Mensch und habe auch die finanziellen Aspekte im Blick. Auch wenn Eltern und Freunde einen gewissen Rückhalt bieten, möchte man bestmöglich auf eigenen Beinen stehen. Ich hatte daher schon einige Male vor einem anstehenden Positionswechsel überlegt, eine andere Richtung einzuschlagen. Jedoch haben mich diverse Rahmenbedingungen und mein Bauchgefühl davon abgehalten. Auch wenn ich wusste, dass mein Glück in etwas anderem liegt, hat mir meine innere Stimme gesagt, dass es noch nicht an der Zeit ist.

Nun hat diese innere Stimme deutlich zu mir gesprochen und gesagt „Jetzt, oder nie!“. Alle Zeichen stehen auf grün und die Alternative scheint plötzlich keine Alternative mehr zu sein.

Ich habe daraufhin tatsächlich Jobangebote ausgeschlagen und mich für die Kündigung entschieden. Damit habe ich nach 10 Jahren das Unternehmen verlassen, welches mich sofort nach der Schule aufgenommen hatte. Damit ist ein wichtiger Teil von mir gegangen und das tut, einfach gesagt, weh. Es ist nicht schön Freunde und Kollegen, gewohnte Abläufe und ein gewisses Know-How zu verlassen. Mal abgesehen von dem sicheren Gehalt am Ende des Monats und einer Betriebsrente, sowie weiteren Annehmlichkeiten, die da irgendwann auf mich gewartet hätten. Auch ist es nicht einfach für den Kopf, diesen Schritt zu begreifen. Für mich hieß es auch nicht nur das Unternehmen zu verlassen, sondern das Land in dem ich lebte und die Rückkehr zu meinem Heimatort ohne eigene Wohnung und Auto. Es ist eine ziemliche Umstellung und brauchte seine Zeit, bis ich das realisiert habe. Diese Zeit ist geprägt von unendlicher Vorfreude aber auch Panikmomenten und Angstschweiß auf der Stirn. Der Gedanke an die Frage „Was kann im schlimmsten Falle passieren“ und die Antwort darauf, ließen mich letztendlich durchatmen und beruhigen.

Von daher sind solche Schritte aus meiner Sicht nicht zu unterschätzen und man sollte sich vor und nach wesentlichen Entscheidungen die Zeit nehmen, es zu durchdenken und zu verarbeiten. Erfolgsgarantie hat man natürlich nie, jedoch hat man es wenigstens versucht und kommt seiner selbst ein Stück näher.

Folge:

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