Die Sache mit der Ernährung…

Jeder Mensch verfolgt eine gewisse Philosophie bezüglich seiner Ernährung. Ob dies das Ergebnis einer bewussten Entscheidung oder eher Produkt einer unbewussten Lebensweise ist,  spielt dabei keine Rolle. Es gibt viele unterschiedliche Formen zwischen den beiden Extremen und jede hat seine Berechtigung. Ich bin weder ein Ernährungs-Guru, noch habe ich zahlreiche Studien gelesen. Daher kann und möchte ich mit meinen Gedanken niemanden kritisieren noch angreifen, zumal Ernährung ein ganz persönliches Thema ist.

Es ist nicht nur von Mensch zu Mensch unterschiedlich weil jeder andere Unverträglichkeiten und Vorlieben hat, sondern viel mehr aufgrund des variierenden täglichen Lifestyles. Die Art der Ernährung ist abhängig von unserem Lebensrhythmus, unserer Arbeit und/oder unseren Gewohnheiten. Einige Menschen betrachten Ernährung eher als eine Notwendigkeit, während andere das Kochen sowie Verzehren zelebrieren. Wiederum andere sehen es als einen Bestandteil ihrer Fitness und errechnen die Zusammensetzung einzelner Mahlzeiten.

Einen wesentlichen Einfluss auf unsere Ernährung hat unsere Kindheit. Die Gerichte, welche für gewöhnlich auf dem Tisch standen, sind mit großer Wahrscheinlichkeit auch noch später in unserer eigenen Küche zu finden. Auch das Land und die Region in der wir leb(t)en sind wegweisend für die Lebensmittel, die wir konsumieren. Darüber hinaus wird das Thema  „Ernährung“ in unterschiedlicher Ausprägung in den verschiedenen Familien und Freundeskreisen gelebt und beeinflusst daher auch unser Bewusstsein dafür. Darüber hinaus mag das Gehalt über die Art der Ernährung entscheiden, jedoch habe ich zu diesem Thema eine geteilte Meinung.

Höchstwahrscheinlich habe ich zum Zeitpunkt meines Auszuges von Zuhause (im zarten Alter von 19) und als ich auf dem Wege zu meinem ersten eigenen Einkauf war das erste Mal über das Essen, was ich zu mir nehme, nachgedacht. „Was möchte ich eigentlich einkaufen und was mag ich eigentlich?“. Verschiedenste Dinge fanden ihren Weg in den Einkaufswagen und spätestens an der Kasse gab es dann die nächste Erkenntnis: Der Preis. Für mich war es eher eine positive Überraschung, wie günstig Essen doch sein kann. Jedoch kam mir das als Student entgegen und ich dachte für den Moment nicht weiter darüber nach.

Obwohl ich schon früh mit dem Kochen anfing und mein erstes 3-Gang-Menü mit 12 auf den Tisch brachte (fragt nicht nach Qualität), dachte ich nicht wirklich über die Lebensmittel nach. Das war womöglich auch dem Alter geschuldet. Natürlich liebte ich die Gesichterwurst oder Buchstaben-Suppe sowie die Fertigteilnudeln von Knorr. Aber auf der anderen Seite hegte ich schon eine leidenschaftliche Hingabe für das Gärtnern und zugleich Kochen. Gleich nachdem meine Eltern ein Grundstück kauften, um ein Haus darauf zu bauen, legte ich mein erstes Gemüsebeet an. Da war ich 8 Jahre alt! Es fasziniert mich bis heute, wenn aus einem kleinen Samenkorn, etwas Licht und Wasser eine Pflanze heranwächst, die einem Obst und Gemüse beschert. Es ist wie Zauberei! Insbesondere Kartoffeln haben es mir angetan und ich finde nichts aufregender, als in der Erde zur Ernte zu buddeln (nein, es ist alles in Ordnung mit mir. Ich liebe einfach Kartoffeln und das nicht nur weil ich deutsch bin). Seitdem hatte ich an jedem Ort an dem ich lebte einen kleinen Garten. Entweder auf dem Balkon, einer kleinen Terrasse oder sogar in einem Schrebergarten.

Wenn man somit die Entwicklung einer „simplen“ Kartoffel miterlebt, hat man automatisch eine andere Einstellung zu den Produkten im Supermarkt gewonnen. Regale voller Lebensmittel erscheinen auf einmal nahezu absurd und es wird einem bewusst, dass Preise nicht verhältnismäßig und das Angebot bei weitem nicht regional ist. Ich denke dadurch habe ich das erste richtige Bewusstsein für Lebensmittel entwickelt.

Ich stellte fest, dass Lebensmittel einen Wert haben und keine Selbstverständlichkeit sind.

Nachdem ich in meine eigene Wohnung gezogen bin, habe ich den Samstagausflug zum nahegelegenen Wochenmarkt zum Ritual werden lassen. Es bereitete mir schiere Freude über den Markt zu schlendern und meinen Fahrradkorb mit Leckereien zu füllen. Und Berlin hat viele davon!

Es war und ist immer noch meine Art des Abschaltens, fast wie eine Art des Meditierens. Einfach über den Markt zu gehen, die verschiedenen Gerüche und Geräusche aufzunehmen, die vielen verschiedenen Farben wirken zu lassen und die Einkäufe nach Hause zu bringen, um eine leckere Mahlzeit zu bereiten. Es ist ein Gefühl der Verbundenheit zum Leben und zur Natur. Es mag verrückt klingen, aber es gibt nichts erdenderes und beruhigenderes, als zu kochen. Und nach dem Kochen folgt der eigentliche Genuss des Essens, wenn es um das Sehen, Riechen und Schmecken geht.

Ernährung wurde zu einem Erlebnis.

Und so schenkte ich meiner Ernährung mehr und mehr Aufmerksamkeit. So auch der Herkunft der Lebensmittel, die ich konsumiere. Ich versuchte immer mehr Fertigprodukte zu meiden und Nahrungsmittel, welche so nah wie möglich am Ursprungsprodukt sind, zu kaufen. Je geringer ein Nahrungsmittel verarbeitet wurde, desto natürlicher ist es (Prinzip des Paleos). Eier, Milch, ganze Kuchen oder Suppen in Pulverform ekelten mich regelrecht an und kamen mir so unnatürlich vor, dass es nur schlecht für den menschlichen Körper sein kann.

Je näher am Ursprungsprodukt, desto besser.

Und es geht dabei nicht nur um den Ursprung eines Produktes sondern vielmehr um den damit verbundenen Geschmack. Wer schon einmal eine frische farbintensive Gartentomate probiert hat, wird nie wieder die wässrigen Gegenstücke von spanischen Gewächshäusern aus dem Discounter konsumieren. Und genau so verhält es sich mit jeder Art von Gemüse oder Obst, Brot, Käse, Fleisch… einfach allem! Der Geschmack belohnt uns dafür natürliche (und lokale) Produkte zu konsumieren.

Lokale Produkte belohnen mit Geschmack. 

Damit unterstützen wir gleichsam lokale Unternehmen und können eher nachvollziehen wohin das Geld fließt, welches wir zahlen. Darüber hinaus kann man einen Blick auf das Gemüsebeet oder die Kuhweide werfen und erhält dadurch einen viel tieferen Einblick in die Herkunft von Lebensmitteln. Es erweitert den Horizont, was gerade für jüngere Generationen so immens wichtig ist. Lebensmittel wachsen nicht im Supermarktregal und sind keine Selbstverständlichkeit.

Damit kommen wir unweigerlich zum kritischen Thema des Fleischkonsums. Ich bin an dieser Stelle einfach brutal ehrlich. Ich esse Fleisch und ich genieße es. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mich nicht um die Herkunft von Fleisch schere oder dass ich Menschen verurteile, die sich für eine vegetarische oder sogar vegane Lebensweise entscheiden. Nachdem ich mich immer mehr mit dem Thema der Ernährung auseinandergesetzt habe und ich eine sehr verstörende Doku über die Massentierhaltung sah, habe ich meinen Fleischkonsum noch einmal mehr überdacht. Ich habe mich nach lokalen Anbietern und Bio-Höfen umgesehen, bei denen die Tiere artgerecht gehalten werden. 

Ich bin mir vollends bewusst, dass die Tiere für unseren Konsum gehalten und am Ende geschlachtet werden. Aber ich bin mir auch bewusst, dass ein Mensch ein Raubtier (also ein Fleischfresser) ist und Fleisch für eine gesunde Ernährung brauchen. Daher habe ich meinen Fleischkonsum stark reduziert und esse selten, aber dafür hochwertiges Fleisch.

Fleisch gehört zu einer gesunden Ernährung dazu.

Wenn ich also Fleisch esse, weiß ich in der Regel wo es herkommt und genieße jeden Bissen davon. Wenn ich unterwegs bin, esse ich hauptsächlich vegetarisch und das ist mittlerweile sehr einfach geworden. Auch Freunde kennen mich und akzeptieren, wenn ich kein Fleisch beim BBQ esse. Glücklicherweise entwickelt sich auch der Trend dazu immer mehr vegetarische Optionen angeboten zu bekommen.

Hochwertige Produkte müssen nicht teurer sein.

Es wäre gelogen, wenn ich behaupten würde, dass regionale oder hochwertigere Produkte nicht teurer wären. Insbesondere Fleisch und Käse sind wesentlich kostspieliger. Die Weihnachtsente vom Bio-Hof kostet das vierfache im Vergleich zur TK-Ente vom Discounter. Es tut weh, aber das ist gut so! Es muss wehtun, damit man seine Essgewohnheiten überdenkt. Der hohe Preis macht den Genuss von Fleisch zu etwas besonderen und das soll und muss es auch sein. Es muss nicht täglich Fleisch auf dem Teller sein, sondern wenige Male im Monat eine Besonderheit darstellen. Damit erweist man dem Tier, welches sterben musste, eine gewisse Art des Respekts. Diese Art des Fleischkonsums geht bis in die Steinzeit zurück, als ein Hase oder Reh nicht täglich auf den Tisch kam. Die meiste Zeit wurde sich von Früchten und Pflanzen ernährt. Wenn ein Tier erlegt wurde, wurden auch sämtliche Bestandteile dessen weiterverarbeitet. Damals eine Notwendigkeit des Überlebens, heute eine Notwendigkeit des Respekts. Denk also ernsthaft darüber nach, wie oft du eigentlich Fleisch essen „musst“ und ob sich der Konsum reduzieren lässt. Und dadurch wird auch das Geld am Ende des Monats in deinem Portemonnaie nahezu das gleiche sein.

Natürlich sind auch alle anderen Produkte, neben dem Fleisch, kostenintensiver. Jedoch lässt sich hier mit der gleichen Strategie das gleiche bewirken. Wenn wir nur die Menge kaufen, die wir tatsächlich konsumieren und uns der Wegwerfgesellschaft abwenden, werden wir Kosten sparen können. Am Ende macht es keinen wesentlichen Unterschied auf dem Konto, wenn wir uns mit qualitativ hochwertigen Lebensmitteln versorgen, die wir auch tatsächlich essen. Versprochen!

Zusammenfassend möchte ich meine Art der Ernährung als

Bewussten Konsum von Lebensmitteln

bezeichnen. Und das ist, meines Erachtens, schon das große Geheimnis und die Basis einer jeden gesunden und verantwortungsvollen Ernährung. Dass wir darüber nachdenken, was wir zu uns nehmen und welchen Einfluss das auf die damit verbundenen Faktoren hat. Denn eine bewusste Ernährung beginnt aber endet nicht bei uns…



Folge:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.