Ein kulinarischer Tag ein Bergen

Um ehrlich zu sein, waren es Tage! Denn es gab so viel zu lernen, zu entdecken und zu kosten! Und dieses Mal hatte ich sogar den Luxus einer geführten kulinarischen Tour.

So begann ich also meinen Tag durch diese hübsche Stadt zu schlendern und natürlich das Weltkulturerbe der „Bryggen“ zu bewundern – bunte Lagerhäuser am Hafen aus Holz, welche im 14ten Jahrhundert erbaut wurden. Viele kleine und verwinkelte Gassen führen durch und um diese, welche hübsche Plätze und versteckte Lädchen beherbergen. Direkt gegenüber von diesem altehrwürdigem Stadtteil liegt der modernere und lebendigere Teil Bergens mit vielen Einkaufszentren und den bekannten Marken. Hin und wieder gibt es jedoch kleine Juwele, wie der Shop „Colonialen Fetevare“ (Strandgaten 18, Bergen), welcher italienische Delikatessen und eine kleine Mittagskarte anbieten. Dort genoss ich ein Sandwich aus Olivenbrot, Serranoschinken und Pamersan – sehr lecker! Ich kann es nur für einen gemütlichen Zwischenstop empfehlen. Danach machte ich mica auf den Weg zum Bergen Base Camp, wo ich Victoria, meinen Tourguide, treffen würde. Wir starteten gleich mit ein paar kulinarischen Spezialitäten aus Norwegen, wie dem Stockfisch. Stockfisch ist getrockneter Dorsch, welcher in den Lofoten aufgrund seines trockenen und kühlen Klimas hergestellt wird. Jedes Jahr im Frühjahr kommen die Dorsche in den Norden Norwegens und werden nach dem fischen auf hölzernen Gerüsten zum Trocknen aufgehängt. Durch das milde Klima trocknet der Fisch über einige Wochen und kreiert einen einzigartigen Geschmack. Danach wird dieser übereinander für Jahre gelagert (im englischen „stock“, welcher ihm seinen Namen gab). Ich probierte also den Stockfisch und war ganz überrascht, dass dieser wesentlich besser schmeckte, als er roch. Wie leicht fischige und sehr leckere Chips! Darüber hinaus probierte ich auch norwegischen Apfersaft, welcher in der Region produziert wurde. Äpfel haben eine lange Tradition in Norwegen, da besonders das Königshaus von deren gesundheitsförderlichen Wirkungen überzeugt waren. Heute gibt es leider nicht mehr so viele Äpfelbauern, da der Anbau im nördlichen Gebiet schwierig ist. Nichtsdestorotz war der Apfelsaft unglaublich fruchtig und süß! Sehr lecker. Danach probierte ich „brunost“, einen braunen Käse aus Norwegen. Dieser wird bei der Herstellung mit Zucker angereichert, welcher karamellisiert und dem Käse dadurch sein typisches braunes Aussehen verleiht. Dieser wurde auf typisch norwegischem Flatbrod serviert und schmeckte wirklich lecker! Das leichte flatbrod gab den schweren und süßem Käse mehr Leichtigkeit. Wirklich gut!

Nach dieser kulinarischen Einführung machten wir uns auf den Weg zu den „Bryggen“ – den farbenfrohen Hafengebäuden, welche früher die Waren lagerten. Sie überlebten bereits zahlreiche Feuer und weitere Geschehnisse, obwohl sie nahezu komplett aus Holz bestehen (selbst die Nieten und Nägel wurden teilweise aus Holz gefertigt). Sie verdienen definitiv den Titel eines Weltkulturerbes. Victoria führte mich herum und teilte zahlreiche Geschichten und Hintergrundinformationen. Wir liefen etwas weiter nördlich und erreichten schließlich „Dr. Weisener“ (Nye Sandviksveien 17A, Bergen), eine Gaststätte, welches früher ein Badehaus der Stadt war. Heute wird hier gute Hausmannskost serviert. Wir hatten eine typische Suppe mit regionalem Gemüse sowie Fleischeinlage aus Lamm. Dazu selbstgebackenes Brot und gute Butter. Eine sagenhaft gute Kombination bei so kaltem Wetter!

Wir schlenderten dann weiter durch die zahlreichen Gassen und Victoria erzählte mir allerhand aus der Geschichte Bergens. Ab und zu blieben wir stehen und sie wies mich auf die besondere Architektur oder ein verstecktes Detail hin, welches ich so wahrscheinlich nie bemerkt hätte. Bergen hat viele kleine Bilder und Gemälde an den Wänden, welche teilweise sogar in seine natürliche Umgebung eingebettet wurden. Ein Loch oder eine abgeplatzte Stelle in der Mauer wurde somit Teil des Bildes. Es gab so viel zu entdecken! Noch mehr zu entdecken, gab es dann in unserem nächsten Stop – einer farbenfrohen Bar namens BarBarista (Øvregaten 12, Bergen), welche ein Sammelsurium an Bildern, Spielzeugen, Figuren und anderem „Gedöns“ ist. Kein Platz wurde verschenkt und überall gab es etwas zu entdecken und eine lustige Geschichte dahinter zu vermuten. Wir probierten die hausgemachten Waffeln, welche innen cremig soft und außen knusprig süß waren! Dazu gab es Creme Fraiche und Marmelade – sagenhaft!

Nach den Waffeln befand ich mich schon im Koma und ich war froh, dass wir etwas laufen konnten. Wir tingelten also durch die Stadt und bewunderten weitere Malereien an den Wänden oder architektonisch einzigartige Gebäude. Wir hielten kurz in Bergens ältestem (und wahrscheinlich auch kleinstem) Cafe und plauschten mit der Bedienung. Für einen Kaffee kam ich erst am nächsten Tag wieder (Det lille Kaffee Kompaniet, Nedre Fjellsmauet 2, Bergen).

Victoria hatte unglaublich viel Wissen über die Stadt und schmückte jede Ecke mit einer interessanten Geschichte. Wir liefen zurück zum Hafen und enterten den lokalen Fischmarkt. Dort erhielten wir zwei Fischbouletten auf die Hand, welche komischerweise noch Platz in meinem Magen fanden. Sehr fein würzig und ein super Snack für unterwegs (Fisketorget Bergen). Und auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt schon so viel gegessen hatte, passte ich noch durch Bergens schmalste Gasse, welche wir als nächstes besuchten. Sie führte uns direkt zu einer Bar mit dem Namen „Frille“ (Hollendergaten 7, 5017 Bergen). Ein sehr gemütlicher Ort, welcher sogar den ältesten Keller der Stadt beherbert. Dort genossen wir in uriger Atmosphäre ein Bier, welches eine lange und verrückte Geschichte mit sich brachte. Diese zu erzählen, würde eine weitere Seite füllen. Kurz gesagt handelte diese von einem früheren Prinzen (später König), seiner Mistress (im norwegischen „Frille“) und ihrer Mutter. Dieser Prinz wurde ungewöhnlich alt und das obwohl er mehr als 20 Jahre im Gefängnis verbrachte. Man sagt ihm nach jeden Tag dieses Bier getrunken zu haben. Nun gut, ich hoffe, dass auch mich dieses Bier lange leben lassen wird, um noch weitere so spannende und leckere Touren machen zu können! Lieben Dank an Victoria für den schönen Tag! (https://bergenbasecamp.no)

Später am Tag machte ich mich mit Soencer auf den Weg außerhalb Bergens, um dort Stian von der „Mjøderiet“ zu treffen. Stian braut als einziger in Norwegen den traditionsreichen Med! Ein alkoholisches Getränk aus Honig, welches eine lange Geschichte hat und schon von den Wikingern getrunken wurde. Dazu mischt er Honig mit Wasser (760kg Honig auf 1000l Wasser) und reichert dieses mit Nährstoffen und Hefe an. Dadurch startet der Fermentationsprozess und nach wenigen Wochen ist Med mit etwa 14 % Alkohol entstanden. Natürlich fügt er noch einige Gewürze oder Beeren hinzu, um einen noch besseren Geschmack zu erlangen. Es gibt bereits über 10 verschiedene Sorten von Med und auch jeder Honig gibt seinen eigenen Geschmack. Stian und vier weitere Honigbegeisterte arbeiten in ihrer Freizeit an der Produktion und planen den Ausbau dieser in naher Zukunft. Nachdem ich verschiedene Sorten des Meds probiert hatte, kann ich sie darin nur bestärken. Danke für den spannenden Abend, Stian! (www.mjoderiet.no)


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