Ein kulinarischer Tag in Stockholm

Ich war zuvor schon einmal in Stockholm und ehrlicherweise hat mich die Stadt nicht sonderlich beeindruckt. Natürlich ist es eine hübsche Stadt mit einer wirklich romantischen Altstadt, aber den allgegenwärtigen Hype konnte ich nicht verstehen. Aber das ist vielleicht generell mit zu hohen Erwartungen so – jedoch ist das ein anderes Thema.

Also hatte ich bei meinem zweiten Besuch Zeit mich komplett dem kulinarischen Charme der Stadt zu widmen…

Ich parkte Spencer einige Kilometer entfernt vom Zentrum (und musste trotzdem horrende Parkgebühren zahlen) und entschied mich in die Stadt zu laufen. Es war früher Vormittag und das Wetter war schön. Und so konnte ich mir meine Zimtschnecke auch verdienen, die am Ende des Marsches warten sollte. Ich hatte dafür einige Recherche betrieben, um die beste „Kanelboller“ ausfindig zu machen. Also navigierte ich mich zur Bäckerei namens „Gateau“, welche eine der besten in Stockholm sein sollte. Ich war dementsprechend etwas irritiert, als ich vor einem großen Einkaufszentrum stand und es nur noch wenige Meter bis zu meinem Zimtschnecken-Himmel sein sollte. Es dauerte also einige Irrungen und Wirrungen bevor ich den kleinen Stand inmitten des Ganges im Einkaufszentrum ernst nahm. Kein niedliches Cafe, nicht einmal Stühle zum sitzen! Trotzdem kaufte ich natürlich die berühmte Zimtschnecke und kaute etwas missmutig auf ihr herum als ich ziellos durch die Mall irrte. Sie war natürlich echt lecker, aber ich hatte mir das original schwedische Erlebnis etwas anders vorgestellt. Nun gut, dann eben Plan B und ein anderes Cafe namens „Snickarbacken“, welches ich zuvor im Internet ausfindig gemacht habe. Ich verließ also die Shoppingmall und fand auch wenig später die besagte Adresse relativ schnell, um dann jedoch die nächste Enttäuschung zu erfahren – es war dauerhaft geschlossen! Wunderbar. Also erst einmal keinen Kaffee. Ich ging damit schnell zum nächsten erfreulichen Programmpunkt über und steuerte die Markthalle Stockholms an („Saluhall“).

Vorbei an einem wirklich schönen Delikatessengeschäft namens „Eataly“ oder der Bäckerei „Fabrique“, welche mehrere Filialen hat, erreichte ich also die berühmte „Saluhall“. Ein rotes Backsteingebäude mit orientalisch anmutenden Türmchen, welches von Außen eher wie eine Stierkampfarena aussieht… nun verdeckt hinter Baugerüsten und Planen… ebenfalls geschlossen wegen Umbauarbeiten! Na wunderbar… da half auch nicht die provisorische Markthalle nebenan, welche zwar ähnliche Geschäfte jedoch keinesfalls einen ähnlichen Charme aufwies. Da ich bereits vor einigen Jahren in der Saluhall war, konnte ich mich gut an das Dekor, die vielen Läden, den Elchkopf über dem Eingang und vor allem an so ein leckeres schwedisches Gericht erinnern, welches mir nun versagt blieb. Als ich die Ersatzhalle verließ, fing es auch noch an zu regnen… 

Irgendwie ließ mich das Gefühl nicht los, dass mir Stockholm auch auf den zweiten Blick nicht richtig gefallen wollte. Aber ich ließ mich nicht beirren und machte mich auf den Weg zur Altstadt, welche auf einer einzelnen Insel liegt. Ein wirklich hübsches Viertel mit kleinen Gassen und hübschen Läden. Am meisten gefielen mir die kleinen Antikläden und Second Hand Geschäfte. Ich fand dort auch einige Mitbringsel, wie Küchenutensilien und natürlich ein altes schwedisches Holzpferd. Das besänftigte etwas!

Nachdem ich einige Zeit durch die Altstadt geschlendert bin, startete ich den dritten Versuch ein gemütliches Cafe zu besuchen. Ich hatte noch ein drittes gehyptes Cafe namens „Drop Coffee“ auf der Liste und steuerte nun südlich der Altstadt ein aufsteigendes Viertel Stockholms an. Das Cafe war schnell gefunden und auch die Tür war zumindest offen. Laut Website hätte es auch noch 2 Stunden geöffnet… Als ich das Cafe betrat waren die Lichter jedoch schon aus und die Stühle auf die Tische gestellt. Die Bedienung erklärte auch freundlich, dass heute bereits früher geschlossen wird und ich doch „To-Go“ etwas mitnehmen könne. Das war nun das dritte Cafe, welches mich heute in Stockholm nicht aufnehmen wollte. Somit steuerte ich das nächstbeste Lokal an, welches mir einen (entkoffeinierten) Kaffee servieren konnte und fand sogar ein hübsches Plätzchen. Nichts super hippes aber freundliches Personal und eine tolle Auswahl selbst gebackener Brote (Sit Paul Bagery). Ich war zufrieden!

Danach wartete mein letzter Programmpunkt für den Tag und ich steuerte das Restaurant „Meatballs for the People“ (Buletten für alle!) im gleichen Stadtviertel an. Der Name sprach mir bereits aus der Seele und ich freute mich auf eine richtige Portion „Köttbullar“ (Hackbällchen in Bratensoße mit Kartoffelpüree und Preiselbeermarmelade). Der Laden hatte offen und servierte auch Essen! Dazu ein schwedisches Bier (war das teuer!) und ich war wirklich glücklich. Die echt schwedischen „köttbullar“ waren wirklich lecker, sodass ich zufrieden zurück zu Spencer marschieren konnte.

Alles in allem war es ein leicht ernüchternder Tag… aber wie sagt man – alle guten Dinge sind drei… bis zum nächsten Mal, Stockholm!


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