Ein kulinarischer Tag in und um Bodø

Zu allererst möchte ich Tore von „Arctic Salt“ für diese einzigartigen 24 kulinarischen Stunden danken, da er diese erst möglich machte. Als ich ihm einige Wochen zuvor schrieb und um ein Kennenlernen seines Handwerks und seiner Produkte bat, hätte ich nie damit gerechnet ein Komplentprogramm der Region geboten zu bekommen. Ein Programm voller interessanter Gespräche und Hintergrundwissen über die Spezialitäten dieser Gegend.

Mein kulinarischer Tag startete direkt bei Tore und seiner kleinen Salzfabrik „Arctic Salt“, wo ich ihn und seinen Vater kennenlernte. Bei einem Kaffee (bzw. Tee für mich) lernten wir uns erst einmal kennen und Tore erzählte etwas über die Gegend. Die Fabrik liegt direkt am „Saltstraumen“, dem Eingang eines Fjords welcher die stärkste Strömung auf Erden (!) aufweist. Dieser liegt etwa 20 Minuten außerhalb von Bodø und wurde nicht etwas nach seiner Eigenschaft als „Salzige Strömung“ betitelt sondern soll vielmehr „Starke Strömung“ in seiner Wortherkunft bedeuten. In Anbetracht der ganzen Strudel und dem sich wahnsinnig schnell bewegenden Wassermassen macht dieser Name definitiv Sinn! Die Strömung erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 40 km/h und kann Strudel mit einer Tiefe von 4 Metern und einer Breite von 10 Metern bilden. Die Strömungen entstehen natürlich hauptsächlich durch die Gezeiten und sind je nach Mondstand, Wetter und Beschaffenheit des Grundes unterschiedlich stark. Die Strömung führt direkt vor der Salzfabrik von Tore entlang, sodass er das Wasser nur abpumpen und in sein Salzbecken führen muss. Das Wasser hat zum Zeitpunkt der Entnahme einen Salzgehalt von 3,5%. Dieser leitet er dann in einen Basin, welchen er für einige Tage beheizt. Die optimale Temperatur für die Steigerung des Salzgehaltes innerhalb des Tanks wären 75 Grad. Die Anlage von Tore ist (noch) nicht so effizient, sodass ihn die Salzherstellung etwas mehr Zeit kostet. 

Nach unterschiedlichen chemischen Reaktionen und mit kontinuierlich ansteigendem Salzgehalt erreicht dieser 17-18% und das Salz ist damit für die Ernte bereit. Tore lässt dafür das Wasser ab und lässt das Salz abtrocknen. Danach wird dieses auf einer Fläche ausgebreitet und mittels einem heißen Gebläse weiter getrocknet. Nach mehreren Stunden ist das Salz für die Weiterverarbeitung bereit und wird in den Bereich der Verpackung gegeben. Dort wird es vorerst gründlich (per Hand) unter Licht auf Fremdkörper und Unreinheiten untersucht. Dann wird das Salz entweder verpackt oder aber weiter verarbeitet. Dazu veredelt Tore das Salz entweder mit Kräutern und Seealgen oder aber räuchert es mit unterschiedlichen Arten von Holz. Er bevorzugt dabei Birke und zeigte mir in seinem Räucherraum auch warum. Dazu zündete er einen kleinen Teil der Rinde an und animierte mich den Geruch wahrzunehmen. Er war süßlich rauchig! Und wie er erklärte geht genau dieser Geruch direkt in das Salz und verleiht ihm einen einzigartigen Geschmack. Dazu benutzt er einen Räucherofen in dem er ein Feuer im unteren Bereich anzündet und darüber in mehreren Lagen Tabletts mit Salz schichtet.

Die Produkte werden dann entweder in kleinen Kork-verschlossenen Glasgefäßen oder aber in runden Pappkartons verpackt, welche ein sehr individuelles und lustiges Packungsdesign haben. Auf diesem ist eine Landkarte der Region zu erkennen, sowie in karikaturistischer Form Tore und seine Mitarbeiter. Darüber hinaus sieht man ein Rentier (namens Ole), einen Fuchs und weitere Tiere sowie Eigenheiten der Region. Es gibt viele Details zu entdecken, die einen schmunzeln lassen und in Verbindung mit dem sehr schlichten und edlen Logo eine sehr gute Kombination eines jungen aber qualitativ hochwertigen Produktes vermitteln.

Obwohl Tore die Salzherstellung nur nebenberuflich macht und aus diesem Grunde nicht viel Aufwand in Werbung steckt, sind die Lagerregale selten voll. Die Nachfrage ist hoch und wird im wesentlichen durch Online-Käufe sowie Weiterverkäufe in Delikatessenläden der Region generiert. Auch vergeben lokale Unternehmen sowie Touristenführungen sein Salt gern als Geschenk und generieren dadurch weitere Folgekäufe. Auch beliefert er Restaurants. Die Nachfrage unterstreicht noch einmal die Qualität seines Salzes. Und nachdem ich das Rauchsalz am Folgetag direkt in einer Pasta mit Shrimps verwendete, kann ich es nur vollends bestätigen. Einfach lecker und super für einen besonderen „Kick“ für das Gericht. Mehr Infos unter: www.arcticsalt.no.

Nach dem interessanten Tagesstart setzte ich meine kleine Rundreise fort und fuhr in die Stadt von Bodø. Tore hatte mir einen Termin in der örtlichen Mikrobrauerei „Bådin“ verschafft, wo ich Andreas kennenlernte. Er und 4 1/2 weitere Männer gründeten das Label 8 Jahre zuvor. Warum 1/2? Nunja, einer der Gründer konnte sich vorerst nicht entscheiden und brauchte etwas Bedenkzeit bevor er in das Business mit einstieg. Hätte er vom Erfolg und der super Entwicklung der Mikrobrauerei gewusst, hätte er sicher nicht gezweifelt. Vergangenes Jahr produzierten sie 80.000l Bier, wovon 20% direkt nach Oslo geliefert wurden, wo sich zwei der Teilhaber um die Vermarktung kümmern. Das verbleibene Bier wird an Supermärkte und Restaurants der Gegend geliefert und hat große Beliebtheit. Zum Programm zählen vor allen Dingen amerikanisch und belgisch inspirierte Biere, wie Lager, Stout oder Pale Ales. Der Hopfen kommt dabei von überall auf der Welt, je nachdem auf welchen Geschmack sie abzielen. Sie bevorzugten bisher Hopfen aus Australien und Amerika, da dieser eine fruchtige und fast tropische Note im Bier erzeugt. Der Malz wird jedoch ausschließlich aus Belgien importiert und das hat zwei Gründe. Die geringe Anzahl an lokalen Anbietern und die hohen Steuern sowie Gebühren machen die Preise im Vergleich nicht wettbewerbsfähig. Darüber hinaus ist der Import aus anderen Ländern sehr kostspielig, da immer Schifftransporte berücksichtigt werden müssen. Jedoch verschifft ein lokales Unternehmen seine Waren regelmäßig nach Belgien und die Brauerei nutzt den Vorteil des „leeren“ Schiffs auf dem Rückweg und kann damit sein Malz kostengünstiger transportieren. Nicht nur clever, sondern auch nachhaltig.

Die Mikrobrauerei erstellt regelmäßig (mindestens alle 2 Monate) ein neues Bier und schafft damit immer neue Geschmäcker und Geschichten. Eines war beispielsweise mit Kaffee und Kokos versetzt und ein anderes unterstützte lokale Künstler. Dadurch sprechen sie besonders das junge Publikum an, welche besonders an neuen Sorten interessiert sind. In Verbindung dazu haben sie einige Standardbiere im Programm, um auch den Ansprüchen der Bars und Restaurants gerecht zu werden. Ab und zu veranstalten sie auch Events in ihrer Brauerei, um vordergründig Partner und Kunden zu treffen. Die Brauerei selbst ist dabei stetig am wachsen. Dieses Jahr haben sie viel Geld in einer neue Anlage investiert, welche das Bier abfüllt und verpackt. Diese schafft 30 Dosen in einer Minute! Darüber hinaus gab es neue Tanks in der Produkten und sie denken über die Anschaffung neuer Kessel nach. Nachdem ich das Bier probierte, verstand ich auf jeden Fall, warum die Brauerei expandieren muss! Es schmeckte sehr mild und hatte interessante Noten!Mehr Infos unter: www.baadin.com.

Am späten Nachmittag fuhr ich dann zurück nach Saltstraumen, um Elisabeth, Trude und Ingrid kennenzulernen. Die drei Frauen haben einen Ort namens „Tuvsjyen“ geschaffen, welcher das Leben zu Zeiten der Steinzeit nachempfinden soll. Dazu haben sie Hütten und passende Außenanlagen errichtet, welche ohne Wasser und Strom ausgestattet sind. Die Hütten haben ein wärmendes Feuer in der Mitte und sind mit Rentierfellen ausgelegt. Der Ursprung der Idee lag in archäologischen Funden aus der Steinzeit unweit ihrer Anlage. Sie veranstalten sogar Führungen zu den Fundstellen. Darüber hinaus bieten sie authentische Abende an, an denen wie in der Steinzeit gekocht wird. Diese sind mit vielen Geschichten und Hintergrundwissen gespickt. Ich hatte das Glück und durfte so einer Zeremonie beiwohnen.

Vorab wurde dafür ein hausgemachtes Dinkelbrötchen gereicht, welches mit Butter, Beeren und geräuchertem Wal belegt war. Vorerst war ich etwas skeptisch gegenüber dem Walfleisch. Als jedoch erklärt wurde, dass dieser der einzige Wal (und auch nur in limitierter Zahl pro Jahr) gefangen werden darf und streng kontrolliert wird, traute ich mich diesen zu essen. Immerhin esse ich auch anderes Fleisch, sodass man nur aufgrund der Art des Tieres keinen Unterschied machen sollte. Und es schmeckte wirklich gut!

Als zweiter Gang wurde Köhler serviert, welcher zuvor 18 Monate in Salz lagerte. Sie reichten Karotten und Bacon dazu – und ich muss sagen es schmeckte fantastisch!

Doch das Highlight kam erst noch – in der Hütte wurde zwei Stunden zuvor ein Stück Rentierfleisch unter Asche und heißen Steinen vergraben. Dadurch wurden Temperaturen um 500-800 Grad geschaffen und ließen das Fleisch garen. Dieses Fleisch wurde dann direkt ausgegraben und mit diversen Beilagen serviert – einfach nur fantastisch und sehr usprünglich!Definitiv ein Erlebnis! Mehr infos unter: www.tuvsjyen.com.

Damit war ein bunter und so spannender kulinarischer Tag zu Ende und ich kann Tore nur erneut für diese Möglichkeit danken. Es hat einfach nur Spaß gemacht!

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