Wie ich meine Begeisterung für Kaffee in Trondheim (wieder-) fand

Nachdem ich mehr als einen Monat im Norden Norwegens verbracht hatte, war ich gespannt auf den südlicheren Teil. Trondheim stand als erste Stadt auf der Liste und ich hatte mir weder vorher den Reiseführer angeschaut, noch irgendeine Erwartungshaltung eingenommen. Ich hatte nur die lokale Kaffeerösterei Jacobsen&Svart angeschrieben und um ein Treffen gebeten. Jedoch schaute ich dem Meeting etwas skeptisch entgegen, da ich leider seit einigen Jahren keinen Kaffee mehr vertrage. Trotzdem wollte ich dieses interessante Themenfeld auf meiner kulinarischen Reise nicht auslassen.

Ich kam erst spät in Trondheim an und es regnete wie aus Kübeln. Daher bekam ich keinerlei Eindruck von der Stadt und war froh, als ich meinen Stellplatz für die Nacht erreichte (welcher schön an einer Bucht gelegen haben soll).

Am nächsten Morgen regnete es immer noch und ich hatte keine Chance die Umgebung um mich herum besser wahrnehmen zu können. Nichtsdestotrotz wappnete ich mich mit meinem Regenschirm und machte mich auf den Weg ins Stadtzentrum. Nach einem guten Fußmarsch erreichte ich die Altstadt und war sofort begeistert von der Atmosphäre. Sogar die Sonne kam raus und tauchte die farbigen Holzhäuser in ein fröhliches Licht. Die Altstadt ist geprägt von schmalen Gassen, welche von bunten Häusern mit wunderschönen Eingangstüren gesäumt sind. Es gab kleine Plätze mit Bänken am Fluss und eine alte Holzbrücke überquerte diese. An jeder Ecke war ein individuelles Lädchen oder ein hübsches Cafe mit hausgemachtem Kuchen im Angebot. Auch als ich die Altstadt verließ, änderte sich das Stadtbild kaum. Es gab viele gemütliche Straßen und weitere Cafes, welches es zu entdecken galt. Am Hafen gab es sogar einen nostalgischen Fischladen mit frischem Fisch und Mittagstisch. Daneben eine alte Fähruhr. So machte ich mich auf den Weg Richtung Bahnhof und zu einem sehr modern aussehenden Gebäude. In diesem traf ich Grant, den Manager von Jacobsen&Svart, welcher mir schnell erklärte, dass es sich um ein nachhaltiges Gebäude handelt, welches sich selbst mit Energie versorgt. Wie selbstverständlich brachte er zwei Kaffeetassen und ich wurde augenblicklich nervös. Ich meine – ich besuche eine Kaffeerösterei- was hatte ich erwartet? Zum Glück war Grant kein Kaffeefanatiker sodass wir die beiden Tassen eher verkosteten als tranken. Obwohl er mitten in der Buchhaltung steckte, nahm er sich die Zeit für mich und erklärte mir die Philosophie des Unternehmens. Sie legen viel Wert auf Transparenz und Klarheit. Versprechen, die sie dem Kunden geben, möchten sie auch einhalten. So philosophierten wir schnell nicht nur über Unternehmenswerte sondern das Leben generell. Grant ist schon viel herumgekommen und hat an vielen Orten der Welt gelebt. Die Gespräche waren sowohl bunt als auch tiefgründig und ich lernte nicht nur viel über die Kafeerösterei selbst. Um jedoch tiefer in die Materie des Kaffees einzutauchen, arrangierte Grant ein Treffen mit ihrem Kaffeeröster Kenneth, welchen ich am nächsten Tag in der zweiten Filiale traf.

Kenneth bereitete uns gleich zwei verschiedene Kaffees zu – einen aus Kenya und einen aus Kolumbien. Ich war recht selbstsicher diese auch probieren zu können, da ich tags zuvor bereits den Weihnachtskaffee zusammen mit Grant trank. Und sowohl dieser als auch die beiden Kaffees von Kenneth machten mich durstig auf mehr und ich hatte keinerlei Probleme diese zu vertragen. Kein Herzrasen, keine Schweißausbrüche und kein Zittern, wie ich es sonst erlebte. Das erleichterte mich sehr, da sich doch eine ganz neue Welt eröffnete!

So zogen sich Kenneth und ich in die Rösterei zurück und tauchten schnell in die Tiefen dieser Wissenschaft ein. Und es ist absolut eine komplexe Wissenschaft, welche ich vorab gar nicht so eingeschätzt hatte. Wir begannen mit dem Ursprung von Kaffee, redeten über die Farmen und vermeindliche Gütezeichen wie „Fair Trade“ und endeten mit den unterschiedlichen Profilen, die ein jeder Kaffee hat. Natürlich stellte er mir auch seine Röstmaschine vor und erklärte die wesentlichen Prozesse. Danach erklärte er anhand zwei unterschiedlicher Röstprofile zweier unterschiedlicher Kaffeesorten die Details einer Röstung. So werden drei verschiedene Phasen der Röstung unterschieden – zuerst erfolgt die Resttrocknung der Bohnen in der Rösttrommel, welche die letzte Feuchtigkeit aus der Kaffeebohne zieht. In der nächsten Phase beginnt die Vor-Röstung bis die Bohne so viel Wärme aufgenommen hat, dass sie platzt und die Schale knackt. Dieser Moment ist sehr wichtig und setzt sämtliche Aromen frei. Nun startet die eigentliche Röstung und es kommt auf die beabsichtigte Stärke der Röstung an bzw. welche erreicht werden soll. Eine Bohne kann bis zu zwei Mal „knacken“ bevor sie nur noch röstet und schließlich verbrennt. 

Ich lernte, dass ein und derselbe Kaffee trotz gleichen Röstverfahrens an zwei unterschiedlichen Tagen auch einen komplett unterschiedlichen Geschmack hat, da die Einflussfaktoren sehr komplex sind. So hat beispielsweise das Wetter draußen bereits einen wesentlichen Einfluss auf das Röstergebnis – klingt verrückt oder? Natürlich hat auch die Zubereitung des Kaffees einen wesentlichen Einfluss und da handelt es sich tatsächlich im Gramm oder Sekunden, die einen wesentlichen Unterschied verursachen! Was für ein komplexes Sachgebiet!

Interessant war auch die Entwicklung des Kaffees und dass wir uns derzeit auf der vierten Welle dessen befinden. Die erste Welle beschreibt die Zeit im 18 Jahrhundert in der Kaffee zum täglichen Getränk wurde und sich im Alltag der Menschen etablierte. Instandkaffee wurde entwickelt. Die zweite Welle wurde mehr oder weniger von der Kaffeehauskette Starbucks angeführt, die das Trinken von Kaffee zu einer Art Lifestyle machten. Die dritte Welle ließ den Kaffee selbst und seine Charakteristika in den Vordergrund rücken. Kleinere Röstereien gründeten sich und das Verständnis für hochwertigen Kaffee steigerte sich. Die vierte Welle fokussiert sich eher auf die wissenschaftliche Seite von Kaffee und beschäftigt sich mit der Zusammensetzung, Geschmäckern und chemischen Prozessen. Aus diesem Grund sind auch leichtere Kaffeeröstungen im Kommen, da ein leicht gerösteter Kaffee mehr Geschmack und Komplexität aufweist. Leichtere Kaffees haben eine größere Vielfalt und weisen mehr Charakter auf. 

An dieser Stelle könnte ich mich verlieren in all den Details und weiteren interessanten Fakten über Kaffee, die Kenneth mir erzählte. Jedoch bleibt nur zu sagen, dass ich Feuer gefangen hatte! Ein so interessantes Themengebiet, welches mich viele gedankliche Notizen machen ließ, um Inhalte weiter zu vertiefen. Hinzu kommt, dass nicht nur ich sondern auch mein Körper wieder Begeisterung am Kaffee gefunden zu haben scheint!

Lieben Dank also an Kenneth für seine Zeit und Geduld sowie den Fakt dass er mir die Welt zum Kaffee eröffnete!

Und Trondheim selbst? Nach drei Tagen bei Sonnenschein und vielen tollen Menschen bin ich absolut verliebt. Was für eine schöne Stadt! Und auch der Stellplatz am Meer war super.

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