Über die nördlichste Destillerie der Welt

Prinzipiell sind Destillerien eher weniger in Norwegen zu finden. Das hat unter anderem zwei Gründe – zum einen gibt es in Norwegen vergleichsweise viele Restriktionen und Vorschriften bezüglich Alkohol und der Herstellung dessen. Zum anderen sind Abgaben und Steuern sehr hoch. Folgende Beispiele sollen das kurz beschreiben – es ist verboten Alkohol über 4,7 Promille im Supermarkt zu verkaufen, dieser muss in speziellen Läden erworben haben, welche staatliche Lizenzen dafür haben. Darüber hinaus darf an Sonn- und Feiertagen generell kein Alkohol verkauft werden, sowie nicht außerhalb von 8-20 Uhr. Ebenso ist es verboten Werbung mit und von alkoholischen Getränken zu machen. Schon anhand diesen kleinen Ausschnitts über die Alkoholpolitik in Deutschland lässt ahnen, wie schwer es ist eine Destillerie zu führen.

Somit war ich glücklich nicht nur eine norwegische Destillerie überhaupt zu besuchen, sondern auch die nördlichste von ihnen kennenzulernen. Dafür fuhr ich ca. 2 Autostunden von Tromsö entfernt und schaute unangekündigt vorbei. Ich wollte eigentlich an einer geführten Tour am Nachmittag teilnehmen, wurde jedoch vom Braumeister höchstpersönlich und sofort herumgeführt, als ich danach fragte. Wieder einmal wurde die enorme Gastfreundschaft der Norweger gegenüber Gästen deutlich und ich war happy über die Tour.

Die „Aurora Destillerie“ wurde 2016 gegründet und hat damit dieses Jahr die Premiere, den ersten Whiskey präsentieren zu können, welcher mindestens 3 Jahre reifen muss. In der Zwischenzeit haben sie sich jedoch mit Gin, Wodka und Akvavit beschäftigt und damit einen ziemlich guten Job hingelegt! Der Gin gewann Doppelgold beim internationalen Wettbewerb in San Francisco. Und nachdem ich diesen probieren durfte, ist mir auch klar warum – er schmeckte einzigartig – so viele verschiedene Aromen und ein ganz milder Geschmack.

Sämtliche Destillate sind mit Gletscherwasser der Lingen Alpen hergestellt, welche direkt vor der Haustür trohnen. Hinzu kommen heimische Kräuter, Wurzeln und Beeren.

Aber nicht nur die Zutaten, sondern auch die Lage der Destillerie und ihr Name sollen den Bezug zum Norden Norwegens geben. Der Name „Aurora“ greift damit die einzigartigen Nordlichter auf und auch der Name „Bivrost“ (wie die Produkte betitelt werden) setzt sich aus zwei altnordischen Begriffen zusammen – „Biv“, welches „zitternd“ und „rost“, welches „Weg“ bedeutet und damit ebenfalls auf die Nordlichter hindeutet. Die Wikinger verwendeten dieses Wort, um die Nordlichter als eine magische Brücke zu beschreiben, welche die Welt mit dem Himmel verbinden.

Die Flaschen haben ein Relief des höchsten Berges der Lingen-Alpen im Flaschenboden und die Destillerie selbst wurde im nordischen Stil designt. Viele Elemente der Wikinger und Möbel aus Holz wurden verwendet. Alles ist mit diesem eindrucksvollen Ort und der Geschichte der Lingen Alpen verbunden. Sogar der Braukessel selbst wurde nach einer Figur aus der Wikinger-Mythologie benannt („Gerdr“) und Odeons Stuhl und sein Schwert fanden im Brauhaus Platz.

Aber genug über die Destillerie – mehr zu den Produkten. Für den Gin, Wodka und den Akvavit werden die grundlegenden Spirituosen von anderen Destillerien eingekauft und als Basis verwendet (reine Kartoffelbrände). In der eigenen Destillerie werden diese dann mit Gewürzen und Aromas versetzt, sowie ein zweites Mal destilliert. Der Gin enthält beispielsweise 23 verschiedene Zutaten – wie Wurzeln und Beeren aus der Region. Auch der Akvavit wird mit Kumin und anderen Zutaten versetzt und teilweise in Cherry-Fässern gelagert.

Der Whiskey wiederum wird komplett selbst hergestellt. Dafür wird Biermaische „gewaschen“ und in die die Destillerie gefüllt und erhitzt. Der Dampf (Geist) gelangt dann in die „Kolonne“ und verdampft einzeln über 14 Ebenen, um anschließend im Kondensator wieder in den flüssigen Zustand zu wechseln. Das Destillat wird in drei Teile unterteilt – Kopf, Herz und Schwanz. Ersterer und letzterer sind nicht für die Weiterverarbeitung zum Whiskey geeignet. Das Mittelstück jedoch wird dann in Cherry-Fässern gelagert, welche widerrum in alten Bunkern der NATO gelagert werden. Zur Destillerie gehören jedoch auch noch moderne Ferienhäuser, welche im tiny-house Stil entweder direkt am Wasser oder auf einer Anhöhe errichtet wurden. Alle von ihnen haben atemberaubende Aussichten auf die Alpen und den Fjord! 

Außerdem können Dinner und andere Events in der Destillerie abgehalten werden

Alles in allem war es ein super Nachmittag in der Aurora Destillerie und mit Braumeister Gjermund. Mit viel Passion und Geduld führte er mich herum und erklärte jedes Detail. Ich empfehle euch wärmstens (! Ich kann gar nicht genug Ausrufezeichen verwenden) hier einmal herzukommen – für Urlaub und/oder eine Tour. Und falls das erst einmal nicht auf die Reiseliste passt, so empfehle ich zumindest den Gin zu probieren, welchen man online bestellen kann – ein absolutes Muss!

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