Über das Allein-Reisen und warum ich mich niemals einsam fühlte

Viele Leute fragen mich, wie es so ist allein zu verreisen und ob ich mich nicht einsam fühle. Meistens werden diese Fragen gestellt kurz nachdem ich mich und meine Reise vorgestellt habe gefolgt von besorgten und skeptischen Blicken. Und ich antworte immer das gleiche, dass ich mich nie allein fühlte bisher und auch zufrieden bin mit meiner derzeitigen Situation. Vielleicht ist es daher an der Zeit einige weiterführende Gedanken und Hintergründe zu teilen, sowie meine Erfahrungen aus den letzten 8 Monaten zu spiegeln. Ich möchte auch andere (insbesondere Frauen) dazu ermuntern, so eine Reise „allein“ zu starten.

Einleitend möchte ich verdeutlichen, dass ich nichts komisch oder bedenklich daran finde, wenn jemand allein verreist. Es ist eher ein Beweis dafür, dass man unabhängig ist und dass man Zeit mit sich selbst verbringen kann. Natürlich ist das manchmal herausfordernd, aber ich würde es eher komisch finden, wenn man nicht allein verreisen kann, als andersherum. Außerdem lohnt es sich etwas mehr Zeit mit sich selbst zu verbringen. Es bedeutet dabei keinesfalls, dass man keine Familie hat oder Freunde ein Fremdwort sind. Es bedeutet eher, dass man neben diesen vor allem eine Freundschaft zu sich selbst pflegen sollte. Dass man Wünsche und Pläne verfolgt, ohne diese von anderen abhängig zu machen. Insbesondere nicht, wenn diese zu unserem eigenen Glück und zu unserer eigenen Zufriedenheit führen.

Ich bezweifele dabei nicht, dass Momente zusammen mit engen Freunden und Familie schön (er) sind. Jedoch ist es manchmal an der Zeit, Dinge und Schritte für sich allein zu tun. Und das war bei mir definitiv der Fall. Ich musste diese Reise alleine machen, um mir selbst besser zuhören zu können und um mir über einige Dinge klar zu werden. Und das nicht nur, weil ich mich danach fühlte, sondern weil alle Umstände danach geschrieen haben. Die Alternative war keine wirkliche Alternative und ich wollte nicht zum 9. Mal innerhalb von 10 Jahren umziehen. Ich wollte meiner Stimme nicht wieder ignorieren und ich wollte endlich mein Leben ändern, um mich damit wieder identifizieren zu können. Es war einfach an der Zeit.

Die Wahrscheinlichkeit, dass einer meiner Freunde in der gleichen „Klemme“ steckte und den Job kündigen wollte, war relativ gering. Aber das hat mich nicht beängstigt. Ehrlicherweise hatte ich schon immer die Einstellung, dass ich notfalls Träume und Vorhaben allein realisiere, wenn es nicht anders oder besser geht. Denn ich bin absolut überzeugt davon, dass jeder für sich selbst die Verantwortung für das eigene Leben und damit das eigene Glück hat. Natürlich sind Freunde, Familie und der Partner ein wesentlicher Bestandteil von beidem, jedoch die eigene innere Balance und die persönliche Zufriedenheit kann man nur durch eigene Bestrebungen erlangen. Es liegt so viel Wahrheit in dem Spruch „Zuerst muss man sich selbst lieben, bevor man jemand anderen lieben kann“ und das ist nicht nur auf eine Partnerschaft sondern auch alle anderen Verbindungen bezogen. Zuerst muss man mit sich selbst zufrieden und im „reinen“ sein bevor man anderen positiv gegenüber treten kann. Man kann nicht von anderen erwarten, dass eigene Leben zu leben oder die Verantwortung für das eigene Glück zu übernehmen. Das können nur wir selbst!

Das immer im Hinterkopf habend, war es für mich schnell klar, dass es einfach Zeit für mich war die Dinge in die Hand zu nehmen… Ich endete dann im Vollzeit-Vanlife und in einer kulinarischen Rundreise. Und damit bin ich sehr glücklich, denn ich bin mir selbst und meinen Wünschen näher gekommen. Auch habe ich so viele tolle und inspirierende Menschen kennengelernt. Einige von ihnen wurden sogar Vorbilder, Freunde oder unvergessliche Erinnerungen. Meine Reise und das Vorhaben viele lokale Produzenten und regionale Erzeuger kennenzulernen brachten mich mit so vielen einzigartigen Menschen zusammen. Einzigartigen Menschen, mit denen ich durch die Natur lief, Schafe molk, Äpfel sammelte, Kaffee verkostete oder einfach nur über das Leben sinnierte. Etwas, wofür ich so unendlich dankbar bin. Denn sie haben meinen Blickwinkel geändert und mich so viel über das Leben und mich selbst lernen lassen. Mit diesen Erlebnissen war es dann auch schlichtweg unmöglich, sich allein zu fühlen. Ich hatte keine Alternative, griff die Chance beim Schopfe und wurde mehr als belohnt! 

Natürlich habe ich viele Momente, Tage und Nächte körperlich allein verbracht, jedoch mit all diesen Begegnungen und meinen Freunden sowie meiner Familie im Hintergrund, fühlte ich mich nie psychisch allein. Der Kontakt zu letzteren war natürlich wichtig und ohne diesen, wäre es sicherlich anders verlaufen. Jedoch hatte ich bisher selten in meinem Leben den Luxus Freunde und Familie direkt um die Ecke zu haben. Durch meine viele Umzüge, habe ich überall in Deutschland, sogar teilweise Europa, meine Freunde verteilt. Ich bin es daher gewohnt Kontakt über Telefon zu halten und das hat bisher immer gut funktioniert. Zusätzlich dazu, bin chi Einzelkind, was mich vielleicht auch auf diese Reise vorbereitet haben mag.

Wie auch immer, ich kann in jedem Falle nichts negatives über das Reisen allein sagen bzw. schreiben. Es mag vielleicht herausfordernder und manchmal erschwerter sein. So lange man sich selbst und Situationen mit Geduld und Ruhe gegenüber tritt, ist das Scheitern fast ausgeschlossen. Und für alles andere hilft oft schon ein Anruf oder Google. Daher immer für eine vollen Handyakku sorgen!

Viele Leute fragen auch, ob es nicht gefährlich ist allein zu reisen und ob ich nicht Angst habe. Und um ehrlich zu sein – ja es gab Momente in denen ich Angst hatte. Diese waren vor allem zu Beginn meiner Reise und resultierten ausschließlich aus selbstgerechten Hirngespinsten. All die verrückten Szenarien, die sich in meinem Kopf zurechtlegten, haben sich nie bewahrheitet und schnell lernte ich, meine Gedanken besser zu beherrschen. Ich habe auch gelernt meinem Bauchgefühl zu vertrauen und auf mich selbst aufzupassen. Und wie ich bereits zu Beginn schrieb – es belohnt einen! Man lernt so viel über sich selbst und wächst über sich hinaus. Und das wiederum führt zur eigenen Zufriedenheit und sogar Glück. Meine Familie und meine Freunde spielen eine wichtige Komponente für mein eigenes Glück, jedoch startet dieses mit einem und somit mit mir selbst. Und ich ermutige jeden dazu, das gleiche zu tun.

Folge:

6 Kommentare

  1. Heidi Wilschewski
    10. Mai 2020 / 11:04 am

    Hallo Amazone,

    du sprichst mir so aus dem Herzen mit deinen Worten. Ich bin inzwischen 64 und hatte mein erwachsenes Leben lang dieselbe Einstellung wie du. Ich genieße meine Freiheit, bin nun auch mit dem WoMo unterwegs und bin vor allem frei von Ängsten.

    Auch war ich eine gute Handwerkerin, nun läßt leider die Kraft in den Händen nach. Da gibt es keine größeren Projekte mehr, ab was so anfällt wird erledigt !!

    Stay trong 🙂

    Heidi

    • thevantaste
      Autor
      10. Mai 2020 / 7:09 pm

      Hallo Heidi, ich freue mich sehr von dir zu lesen! Schön, wenn auch andere so einen Entdeckerdrang haben und sich in die Welt trauen! Man wird belohnt 🙂 Gute Weiterreise und Grüße 🙂

  2. Carsten Rückert
    20. Juni 2020 / 5:29 am

    Hallo Victoria,
    ich habe deinen Bericht aus der Magazin Clever Campen sowie deinen Blog gelesen.
    Ich kann nur bestätigen, dass durch das Alleinreisen in einer gewissen Auszeit es einen in vielen Dingen des Leben sinnvoll erscheint und es die Lebenseinstellung positiv verändert. Ich konnte diese Erfahrungen bereits zweimal in Neuseeland erleben.

    Carsten aus Suedergellersen

    • thevantaste
      Autor
      20. Juni 2020 / 6:03 am

      Hallo Carsten, danke für die offenen Worte. Ich denke es ist ein wahrer Reichtum so eine Möglichkeit gehabt bzw sich geschaffen zu haben!
      Hab ein schönes Wochenende 🙂

  3. 18. Juli 2020 / 9:05 am

    Hallo Victoria,

    unglaublich schön gemachtes Video mit dem Vorstellen von Spencer und deinem Erfahrungsbericht. Bin gespannt auf das Buch, das ja bald kommt. Schon mal darüber nachgedacht deine Erfahrungen auch fürs Reisen im Van oder Kochen im Van o.ä. als Online-Kurs in die Welt zu tragen? Bin sicher, da wären viele sehr dankbar Anleitungen, Ideen, Knowhow usw. zu bekommen oder auch als Podcast fürs Hören auf Reisen.
    Ich habe schon das Video kommentiert, auch hier gerne noch mein Kommentar:
    Wow, obwohl ich normalerweise kein Fan bin vom Reisen im Van oder Wohnmobil, das hier ist echt beeindruckend. Klasse Video! Gratuliere dir für diese Entscheidung und zu deinem Herzensprojekt Buch, was eine mega Idee ist es so authentisch umzusetzen! Respekt für den Mut und den super Ausbau des VANs und ich bin sicher, dass Buch wird ein Erfolg 🙂

    • thevantaste
      Autor
      25. Juli 2020 / 12:15 pm

      Hallo lieber Jörg, danke für deine lieben Worte! Es gibt momentan so viele Ideen, dass ich gar nicht mehr weiß wo ich anfangen soll.. aber ein online-Kurs klingt spannend! Danke für die Inspiration

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