Über eine Lachsfarm im Norden Norwegens

Wenn man so durch Norwegen fährt, fallen einem unweigerlich die Fischernetze und auch Fischfarmen innerhalb der Fjorde auf. Norwegen ist auch das Land mit dem größten Export an Fisch aus Aquakulturen und die Fischzucht stellt auch den zweitgrößten Wirtschaftssektor des Landes dar (nach Öl). Natürlich habe ich eine Fischfarm auf den Vesteralen besucht und habe einen wirklich interessanten Nachmittag verbracht (www.akvakulturivesteralen.no).

(Un-)Glücklicherweise war ich wieder einmal die einzige, die eine Tour gebucht hatte und durfte damit wieder einmal eine individuelle und persönliche Tour genießen. Sverre, mein Guide, startete also mit den Ausstellungsräumen, in denen nicht nur die unterschiedlichen Fischarten sondern auch der Prozess der Aufzucht bis hin zur Verarbeitung erklärt sind. Im Wesentlichen werden Regenbogenforellen und Lachse gezüchtet. Für diese dauert es 2,5 Jahre, um ein Gewicht von etwa 4-5kg zu erreichen und damit schlachtreif zu sein. Im Vergleich dazu – in freier Natur würde das Erlangen dieses Gewichtes für einen Lachs 9 Jahre dauern. Die moderne und geschützte Aufzucht sowie die effiziente Fütterung machen eine derartige Verkürzung des Zeitraums möglich.

Die Aufzucht der Fische selbst (Anzucht der Eier etc.) findet an 6 zentralen Stellen in Norwegen statt, welche dann die verschiedenen Fischfarmen beliefern. Die Zucht ist dabei nicht ganz einfach, insbesondere wenn bestimmte genetische Grundlagen miteinander kombiniert werden wollen. Darüber hinaus würde in freier Natur von 3.000 gelegten Eiern im Durchschnitt nur ein Ei überleben. Durch die Fischfarmen überleben bis zu 85% und erreichen ein Alter von 2,5 Jahren.

Auf der anderen Seite ist die Aufzucht von Lachs beispielsweise einfacher als die eines Dorsches, da die Eier im Vergleich wesentlich größer und leichter zu händeln sind. Das ist auch der Grund warum es keine Fischfarmen für Dorsche gibt, sondern diese nur wild gefangen werden.

Nachdem die Eier also geschlüpft sind, werden die „Brütlinge“ in flachen Becken mit permanenten Frischwasserzufluss gehalten, wo sie sich am Boden festhalten, um in Ruhe zu wachsen. Damit wird ein Flussbett imitiert, welches ihre natürliche Umgebung zum Aufwachsen wäre. Ihre Energie entnehmen sie dabei aus einem Dottersack, welcher vom Ei noch übrig geblieben ist. Wenn sie diesen abstoßen und den Grund verlassen, sind sie bereits mehrere Zentimeter groß und zählen als Jungfische. Nun werden sie in immer größeren Becken gehalten, bis sie ausgewachsen genug sind, um in das offene Wasser des Fjords gesetzt werden zu können. Dazu müssen sie jedoch erst ihre Organe und auch Hautfarbe ändern, um sich den Gegebenheiten des Salzwassers anzupassen (als Jungfisch im Süßwasser). Sie schwimmen bis zu diesem Zeitpunkt gegen die Strömung und mit Ausbildung aller Organe (vor allem auch Kiemen) und Änderung der Schuppenfarbe beginnen sie mit der Strömung zu schwimmen durch die sie in der Natur ins offene Meer gelangen würden. Ein sicheres Zeichen für die Farmer, dass der Fisch bereit ist, in die Außenanlagen gesetzt zu werden. Nach einigen Tests und einer Impfung werden die Jungfische dann in die Außenbecken geleitet. Dort bleiben sie dann für circa zwei Jahre, um in Ruhe heranwachsen zu können.

Jede Farm hat in etwa 8-10 Zuchtbecken, welche wiederum einen Umfang von 200 Metern und eine Tiefe von 50 Meters haben. Jedes Becken hat circa 160.000 Fische. Das klingt sehr viel jedoch ist der Anteil von Fischen auf 2,5% gemäß norwegischer Auflagen begrenzt. Ergo müssen 97,5% Freiraum und damit Wasser sein, um den Fischen ausreichend Platz zu garantieren. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl anderer Auflagen, welche die norwegische Fischzucht zu einer der fortschrittlichsten macht. Diese Regeln zielen größtenteils auf den Schutz der Natur und das Wohl des Fisches ab. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Problematiken, welche Aquakulturen in ein schlechtes Licht rückten. Mittlerweile wurden viele Verbesserungen eingeführt, welche die Belastung der umliegenden Umwelt begrenzen. Beispielsweise wurde ursprünglich das Futter ind efinierter Menge über Sprinkleranlage im Becken verteilt. Vieles davon sank bis zum Grund, da die Fische das verabreichte Futter so schnell nicht aufnehmen konnten. Es lagerte sich mit all den Exkrementen am Boden ab und veränderte damit das Ökosystem in negativer Weise. Mittlerweile helfen Kameras über und unter Wasser das Futter besser zu dosieren und diese Ablagerungen zu minimieren. Auch die Zusammensetzung des Futters wird immer weiter verbessert, um die Umweltbelastung durch die Produktion desse zu minimieren. Importiertes Soja soll zukünftig durch getrocknete und gepresste Algen aus der Region ersetzt werden. Auch das Verabreichen von Pestiziden zur Bekämpfung von Schädlingen wurde minimiert btw. Teilweise größtenteils eingestellt. Um Parasiten zu vernichten werden die Fische beispielsweise in 30 Grad warmen Wasser gewaschen, was die Schädlinge abtötet jedoch den Fischen nichts tut. Darüber hinaus wird eine weitere Fischart in den Becken gehalten, welche der natürliche Fressfeind der Parasiten ist.

Somit wurden bereits viele Bereiche und werden kontinuierlich verbessert.

Nach 2,5 Jahren also haben die Fische ein ausreichendes Gewicht erreicht und werden innerhalb von zwei Stunden so weit verarbeitet, um in über 100 Länder exportiert zu werden. Norwegen produziert bisher 1,3 Millionen Tonnen Fisch – Tendenz steigend da der Weltkonsum stetig wächst. Dabei ist die „Produktion“ von Fisch mit Abstand die effizienteste – 1,2 kg Futter erzeugen 1kg Fisch. Im Vergleich – es braucht 8 kg Futter für ein Rind, um ein Kilogramm an Masse zuzulegen. Daher werden die Fischfarmen mittlerweile sogar vor die Küste ausgelagert, da geeignete Stellen in den Fjorden bereits belegt sind. Die ersten Prototypen sind bereits im Einsatz.

Nachdem ich durch die unterschiedlichen Ausstellungsräume geführt wurde, ging es aufs Wasser und per Boot direkt zu den Becken. Es war sehr beeindrucken diese riesigen Fischschwärme in diesen schwimmen zu sehen. Immer wieder sprang einer aus dem Wasser und kehrte mit einem lauten „Platsch“ wieder zurück zum Schwarm.

Nach diesem Ausflug folgte noch der perfekte Abschluss – eine Verkostung von geräucherter Forelle und Lachs in verschiedenen Versionen.

Ein rundum gelungener sowie informativer Nachmittag – lieben Dank an Sverre für die Zeit!

Für mehr Infos schaut bei „Akvakultur i Vesteralen“ vorbei. Unbezahlte Werbung da Markennennung.


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